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20. Gedenktag an das Bomben-Attentat


Einladung zum Gedenken an Josef Simon, Peter Sarközi, Karl und Erwin Horvath
Mittwoch, 4. Feber 2015

Gemeinsamer Lichterzug mit Bundespräsident Heinz Fischer zur Gedenkstätte

18:00 Uhr Treffpunkt vor dem Rathaus in Oberwart

18:15 Uhr Abmarsch

bei Schlechtwetter:

18:30 Uhr Treffpunkt und Abmarsch vom Wirtschaftshof, Dornburggasse 100, 7400 Oberwart

19:00 Uhr Beginn der Gedenkfeier bei der Roma-Gedenkstätte


Begrüßung: 
Emmerich Gärtner-Horvath und Bgm. Georg Rosner

SprecherInnen aus der Volksgruppe:
Manuela Horvath, Prof. Rudolf Sarközi, Stefan Horvath

SprecherInnen aus Kirche und Politik:
Bischof Dr. Paul Iby, Ägidius Zsifkovics & Superintendent Mag. Manfred Koch, LHStv. Franz Steindl, LH Hans Niessl, Bundespräsident Heinz Fischer

Ökumenisches Gebet mitgestaltet von SchülerInnen der BAKIP Oberwart

Musikalische Gestaltung: 
Stadtkapelle Oberwart, Romano Rath, Indira Gussak und SchülerInnen der BAKIP Oberwart

anschl. Treffen und Zusammenstehen in einem Zelt bei der Roma-Siedlung


Am 4. Februar 1995 kurz nach 23 Uhr brachen vier Männer zum Kontrollgang durch ihre Roma-Siedlung in Oberwart auf, weil sie verdächtigen Lärm gehört hatten.

Sie entdeckten auf einer Kreuzung rund 250 Meter von der Siedlung entfernt ein vermeintliches Verkehrszeichen. Es bestand aus einem Kunststoffsockel, einem etwa 1,20 Meter hohen Rohr sowie der darauf befestigten Tafel mit der Aufschrift „Roma zurück nach Indien”. Die vier versuchten diesen Gegenstand zu entfernen, dabei wurde der Zündmechanismus ausgelöst. Der Sprengstoff befand sich offenbar im oberen Drittel des Rohres, so dass die Splitter bei der Explosion den Brustkorb der Umstehenden treffen mussten. Gegen 23.45 Uhr hörten die BewohnerInnen der Oberwarter Roma-Siedlung einen dumpfen Knall. Josef Simon (geb. 18.1.1955, verheiratet und fünffacher Familienvater), Peter Sarközi (geb. 25.8.1968), Karl Horvath (geb. 12.6.1973) und sein jüngerer Bruder Erwin Horvath (geb. 14.11.1976) waren sofort tot, als die Sprengladung detonierte.

Bereits seit Anfang Dezember 1993 terrorisierte Franz Fuchs Österreich mit einer Serie von Brief- und Rohrbomben-Anschlägen. Bis Ende 1996 verletzte er dabei elf Menschen schwer und ermordete die vier Roma in Oberwart. 1997 wurde der Täter Franz Fuchs verhaftet, kurz nach seiner Verurteilung nahm er sich in der Haft das Leben.
Das Attentat hinterließ ein riesiges Loch in der Roma-Bevölkerung, aber auch in der Mehrheitsgesellschaft. Die Ermordung der vier Roma raubte den Hinterbliebenen ihre Väter, Brüder, Kinder, Onkel und Freunde. Die Zeit nach dem Attentat hinterließ bei vielen Angehörigen Angst. Erinnerungen an die Vernichtung in den Konzentrationslagern kamen bei der älteren Generation hoch, bei den Jüngeren war es die Angst vor weiteren Anschlägen gegen die Volksgruppe.

Einige Familien zogen nach dem Attentat aus der Roma-Siedlung weg. Damit hatte das Attentat über die unmittelbaren Opfer hinaus auch noch enorme Auswirkungen auf die ganze Minderheit in Oberwart und in Österreich.
Junge Roma meinten damals: „Beim Attentat habe ich niemanden verloren, der mit mir verwandt war. Trotzdem ist dieses Ereignis, das Schlimmste in meinem ganzen Leben und es prägte mich mehr als alles andere. … Aus Angst und mangelndem Selbstvertrauen, stehen immer weniger junge Roma zu ihrer Identität.“ – Leider trifft diese Aussage auch heute noch zu.
Emmerich Gärtner Horvath, Verein Roma-Service, sagte 1999 bei der Gedenkfeier: „Nach dem Attentat wollten viele Menschen, denen vorher die Situation der Roma egal war, unbedingt mit uns Kontakt aufnehmen. Trotzdem basierte jeder Versuch mehr auf Zwang, als auf freiwilliger Basis. Aber jene wenigen solidarischen Menschen, die uns Kraft und neuen Mut schenken wollten, schafften es, uns in dieser schwierigen Lage wieder aufzubauen.“

Ludwig Horvath, ein Freund von Josef Simon sprach letztes Jahr bei der Gedenkfeier: „Dieser Anschlag hat in den Familien und in der Roma-Siedlung Spuren hinterlassen. Tiefe Trauer und Hoffnungslosigkeit ist der Alltag. Roma und Sinti werden heute noch ausgegrenzt und der Rassismus wird immer mehr. – Immer wieder stelle ich mir die Fragen: WARUM wurden Roma und Sinti in den KZ’s ermordet? WARUM mussten hier vier junge Roma sterben? WARUM wird in der Öffentlichkeit alles schöngeredet und die Realität wird oft verschwiegen? - Auf diese Fragen von mir, gibt es sicher Antworten, aber auf diese Antworten werde ich immer sagen: WARUM, WARUM …“




Rückfragehinweis:
Referat für ethnische Gruppen, bes. Roma und Sinti, z.H. Monika Scheweck
7400 Oberwart, Wienerstr. 6, Tel. 0676/880 701 710,
E-Mail: roma.sinti.pastoral@martinus.at